Ruth Zander aus Mönchengladbach

08.05.1927 Mönchengladbach – 1942 Izbica

Ruth Zander wuchs mit ihren Eltern und zwei älteren Geschwistern in Wickrathberg bei Mönchengladbach auf und erlebte zunächst eine unbeschwerte Kindheit. Nach der Machtübernahme der Nazis wendeten sich die Freunde von ihr und den Geschwistern ab, in den Schulpausen standen die drei isoliert mit einem anderen jüdischen Jungen auf dem Pausenhof. Schlimmer noch, sie wurden von ihren alten Freunden beleidigt und mit Steinen beworfen. 1935 teilten die Lehrer den Dreien mit, dass sie nicht mehr mit zum Schwimmunterricht könnten, da sie keine Badeanstalt mehr betreten dürften. Die Eltern versicherten den Kindern, dass all dies eine Prüfung Gottes sei, um sie zu stärken und ihnen Mut zu geben. Nach der Pogromnacht im November 1938, in der das Haus der Familie zerstört wurde, durfte Ruth ihre Schule nicht weiter besuchen. Als Jüngste in der Familie bekam sie als einzige noch von einem Freund ihres Vaters Privatunterricht. Sprachen lagen ihr dabei besonders und sie hatte Spaß daran, neue zu erlernen. Mit 13 Jahren wurde sie gezwungen, in einer Uniformfabrik als Maschinennäherin zu arbeiten. Am 22. April 1942 wurden Ruth, ihr Bruder Herbert und ihre Eltern in das Ghetto Izbica deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Hilde, die zuvor mit ihrem Ehemann in das Ghetto Riga deportiert worden war, überlebten sie die Shoah nicht.


Literatur und Quellen:

Sherman-Zander, Hilde: Zwischen Tag und Dunkel, Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/Main 1984
Website: http://familienbuch-euregio.eu

Autor: Stefan Mühlhausen

Stammbaum