21.08.1881
Billerbeck
–
13.01.1941
Krefeld
Joseph war der Sohn von Heimann und Sophie Albersheim. In Billerbeck wuchs er als jüngstes von neun Kindern in seinem Elternhaus an der heutigen Landstr. 13 auf. Dort übernahm er von seinem Vater das Bekleidungsgeschäft. Er heiratete Selma Isaacson und sie hatten drei Kinder: Herbert, Walter und Ruth. Ab 1911 bekleidete er das Amt des Repräsentanten der Synagogengemeinde Coesfeld. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offizier an der russischen Front. Ab März 1933 hinderten SA-Leute die Kundschaft am Betreten seines Geschäftes. Seine beiden Söhne wanderten aus und überlebten den Holocaust, nur seine Tochter blieb bei ihm und seiner Frau. Sie heiratete und hatte zwei Kinder. Am 29.9.1938 zogen die drei Generationen in ein „Judenhaus“ zu Josephs Schwester Adele nach Krefeld in die Dreikönigsstr. 16. Ihr Geschäft verkauften sie Linus Lammerding, der ihnen nicht nur Geld, sondern auch Waren als Bezahlung schickte, um die Joseph in Briefen an ihn bat. In den Briefen vereinbarten sie auch Treffen und Joseph teilte codierte Botschaften über die Lage seiner Familie mit. Am 13.1.1941 starb Joseph in Krefeld. Seine Frau, Tochter, Schwiegersohn und Enkelkinder wurden in das Ghetto Riga deportiert. Von ihnen überlebt niemand.
Literatur und Quellen
Drovs, Dagma: Zechor – Erinnere Dich! Die jüdischen Familien in Billerbeck von den Anfängen bis zur Shoa, in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, hrsg. v. Kreisheimatverein Coesfeld e.V., 28. Jg. 2003: Coesfeld, S. 105-190.
Meyer-Ravenstein, Veronika: Zersplitterte Sterne. Erinnerungen an jüdische Familien in Billerbeck und ihre Zeit, hrsg. v. Förderverein Mahnmal Billerbeck e.V., 2002: Dülmen.
Website: https://ofb.genealogy.net/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I524277&lang=de
Website Familiengeschichte: Familie Albersheim aus Billerbeck, Deutschland https://www.genealogybos.com/verhalen_stories/Albersheim/Familie_Albersheim_uit_Billerbeck_Deutsch.html
Text: Martin Heiter
Joseph war der jüngste Sohn von Heimann und Sophie Albersheim. Er hatte acht ältere Geschwister, von denen Adele und Wilhelmine wie er bei ihren Eltern in Billerbeck blieben. Seine anderen Schwestern zogen zu ihren Ehemännern und seine anderen Brüder zogen mit ihren eigenen Familien um. Seine Eltern lebten von einem Bekleidungsgeschäft an der heutigen Landstr. 13, wo sie auch ihr Wohnhaus hatten. Mit der Zeit übernahm Joseph das Geschäft von seinen Eltern. Er heiratete Selma Isaacson aus Dinslaken. Sie hatten zusammen drei Kinder: Herbert, Walter und Ruth. Im Jahr 1911 übernahm Joseph das Amt des Repräsentanten der Synagogengemeinde Coesfeld. Während er im Ersten Weltkrieg als Offizier an der russischen Front diente, übernahm seine Frau Selma die Führung des Bekleidungsgeschäftes.
Ab März 1933 wurde das Bekleidungsgeschäft boykottiert. Die Kunden die noch kamen, wurden von SA-Leuten am Betreten gehindert. Josephs Sohn Walter wanderte 1933 nach Spanien aus. Dort arbeitete er mit einem Vetter als Fotograph und lernte eine Schweizerin kennen, die er heiratete. Ihre Staatsangehörigkeit bewahrte später beide vor der Deportation aus den Niederlanden. Josephs zweiter Sohn Walter flüchtet 1937 über Amsterdam in die USA, wo er heiratete und eine Anstellung in einem Warenhaus in Baltimore fand. Nur Josephs Tochter Ruth blieb in Billerbeck und heiratete am 4.1.1935 den zugezogenen Otto Eichenwald. Die beiden hatten zwei Kinder, Rolf-Dieter und Eva. Sie wohnten in ihrem Elternhaus bei Joseph und Selma. Im September 1938 gab die Familie eine Anzeige im Billerbecker Anzeiger auf, dass sie wegen Fortzuges ihre Einrichtungsgegenstände verkauften.
Am 29.9.1938 zogen sie in die Dreikönigenstr. 16 in Krefeld, wohin Josephs Schwester Adele schon vorher umgezogen war (das Haus wurde später in eine Zangsunterkunft umgewandelt („Judenhaus“). Zwei Tage später verkauften sie ihr Bekleidungsgeschäft an Linus Lammerding. Die Bezahlung erfolgte nicht nur in Geld, sondern auch in Sachwaren und Lebensmitteln. Joseph führte einen freundlichen Briefwechsel mit Herr Lammerding. Da der Briefverkehr überwacht wurde, teilte er dem Nachfolger seines Geschäftes codiert Informationen über die Lage der Familie mit. So hieß der Wunsch nach zwei Eiern für die Kinder, dass es Hoffnung auf ein Visum für sie gab. Tatsächlich bekam die Familie Ausreisedokumente, aber ihnen fehlte es am nötigen Geld. Die Familie besuchte Linus Lammerding einmal in Billerbeck. Danach vereinbarte Joseph in seinen letzten Briefen im Sommer 1939 ein treffen mit Herrn Lammerding in Münster.
Joseph Albersheim starb am 13.1.1941 in Krefeld. Seine Schwester Adele folgte ihm am 3.10.1941. Seine Frau Selma, seine Tochter Ruth, sein Schwiegersohn Otto Eichenwald und seine Enkel Rolf und Eva Eichenwald wurden am 11.12.1941 über den Düsseldorfer Schlachthof in das Ghetto Riga deportiert. Während Otto im nahe gelegenen KZ Salaspils bereits im Januar 1942 ums Leben kam, konnten Ruth, Selma und die Kinder noch längere Zeit im Ghetto überleben. Bei der Auflösung des Ghettos am 3.11.1943 wurden sie aber nach Auschwitz deportiert und dort sofort ermordet.
Text. Martin Heiter
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