Siegmund Harf aus Mönchengladbach

05.02.1907 Mönchengladbach – 23.06.1977 Cali

Siegmund war das zweitälteste Kind der Eheleute Alexander und Berta Harf aus Wickrath. Er war ein begeisterter Fußballspieler im jüdischen Sportverein RjF Schild Mönchengladbach und arbeitete von 1926 bis 1938 in der Niederrheinischen AG für Lederfabrikation. Seit 1936 war er mit Emma Zander verheiratet. Sie wohnten in der Plattenstraße 59. Ab 1939 musste Siegmund bei der Kleiderfabrik Reiners in der Friedrichstr. 33 in Mönchengladbach als Bügler Zwangsarbeit leisten. Am 11.12.1941 wurde das Ehepaar in das Ghetto Riga deportiert, wo Siegmund als Ghetto-Polizist eingesetzt wurde. Nach der Auflösung des Ghettos im November 1943 kamen beide zum „Armeebekleidungsamt“ (ABA 701) in Riga, ein Außenlager des KZ Kaiserwald. Am 30.9.1944 wurden sie mit einem Frachtschiff nach Liebau (Lettland) gebracht, wo Siegmund in einem SS-Sonderlager am Hafen arbeiten musste. Am 19.2.1945 wurden Emma und Siegmund nach Hamburg transportiert, wo sie bis zum 11.4.1945 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel gefangen waren. Anschließend mussten die Häftlinge einen 86 km langen Fußmarsch in das „Arbeitserziehungslager Nordmark“ bei Kiel antreten. Siegmund und Emma gehörten zu den Häftlingen, die durch eine Rettungsaktion des schwedischen Roten Kreuzes am 1.5.1945 befreit werden konnten. Die erschöpften Menschen konnten in Holsbybrunn in Schweden wieder zu Kräften kommen. Im November 1966 sagten Siegmund und Emma im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen mehrere Mitglieder der SS und Ordnungspolizei aus, die im Ghetto Riga an NS-Verbrechen beteiligt waren. Zu diesem Zeitpunkt lebte das Ehepaar bereits in Cali (Kolumbien).

 

 

Literatur und Quellen

Erckens, Günther, Juden in Mönchengladbach. Jüdisches Leben in den früheren Gemeinden M.Gladbach, Rheydt, Odenkirchen, Giesenkirchen-Schelsen, Rheindahlen, Wickrath und Wanlo, Bd. 1, Mönchengladbach 1988, S. 733

von Wrochem, Oliver (Hg.): „Der Tod ist ständig unter uns“. Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland, Berlin 2022

Website Spuren im Vest: https://spurenimvest.de/2021/05/25/harf-siegmund/  

Yad Vashem Archives, TR.19/59, S. 98-102, S. 107-111

 

Text: Joachim Schröder

Stammbaum

Stammbaum

Der Stammbaum wird aktuell überarbeitet und ist bald wieder verfügbar. Vielen Dank für Ihre Geduld.