Dr. Joseph Neyses aus Düsseldorf

10.11.1893 Gummersbach – 23.05.1988 Düsseldorf

Joseph Neyses war Musikwissenschaftler und seit 1926 Dozent am Düsseldorfer Konservatorium, seit 1920 leitete er zudem ehrenamtlich den Bach-Verein. Als gläubiger Katholik und Zentrums-Anhänger weigerte er sich nach 1933, einer NS-Organisation beizutreten, weswegen ihm eine Festanstellung am Konservatorium verwehrt blieb. Seit 1936 war er mit der Tänzerin Hilde Möllenhoff verheiratet, mit der er zwei Kinder bekam. Zu seinem Freundeskreis gehörte auch Erna Etscheit. Sie war Jüdin, aber durch ihren nichtjüdischen Ehemann vor der Gestapo geschützt. Kurz nachdem ihr Mann gestorben war, erhielt sie im September 1944 den Befehl, sich am Schlachthof einzufinden, um deportiert zu werden. Die Eheleute Neyses versteckten sie daraufhin in ihrer Wohnung in Düsseldorf-Oberkassel. In den letzten Kriegsmonaten wurde Joseph Neyses zum Militärdienst eingezogen, aus dem er aber im März 1945 desertierte. Er tauchte bei seiner Familie unter, die wegen der Bombarierungen mittlerweile ins Sauerland geflohen war. Erna Etscheit war in der Wohnung geblieben und wurde bis zum Einmarsch der Alliierten von einer Nachbarin versorgt. Nach dem Krieg erhielt Joseph Neyses eine Professur und wurde später Leiter des Robert-Schumann-Konservatoriums. Seine Frau starb schon 1948. Joseph und Hilde Neyses wurden 1981 von der Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. In Derendorf ist ein Platz nach ihnen benannt.


Literatur und Quellen:

Gedenkstätte Yad Vashem (Hg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern: Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, S. 208 f. (Akte 2039)
Biographie in: Datenbank in Gedenkstätte „Stille Helden“ (Berlin)

Autor: Joachim Schröder

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