Ilse Neuberger (geb. Mendel) aus Düsseldorf

14.01.1914 Meckenheim – 09.10.1998 Düsseldorf

Ilse Neuberger, geb. Mendel, stammte aus Meckenheim. Wie die übrigen dort lebenden jüdischen Familien fühlten sich die Mendels vollständig integriert und in erster Linie als Deutsche. Als 1933 die ersten antisemitischen Verfolgungen begannen, zog Ilse zu ihrer Schwester nach Amsterdam und arbeitete als Haushaltshilfe. Doch schon bald kehrte sie zurück und begann, sich für zionistische Ideen zu interessieren. Auf einer Tagung lernte sie den jungen Rechtsanwalt Josef Neuberger kennen, und heiratete ihn im April 1935; im September 1939 wurde ihr erster Sohn geboren. In der Pogromnacht am 9./10.11.1938 drangen SA-Leute in die Wohnung des jungen Ehepaars in der Brehmstraße 67 ein und misshandelten Josef schwer. Mit Mühe konnte Ilse einen helfenden Arzt auftreiben. Kurz darauf gelang ihnen die Ausreise nach Palästina. Den Lebensunterhalt sicherte fortan Ilse, indem sie eine kleine Pension betrieb. Gegen ihren Willen kehrte Josef 1952 nach Düsseldorf zurück, um als Rechtsanwalt zu arbeiten. Ilse kam 1955 mit den Söhnen nach, doch die beiden wurden nicht heimisch und kehrten nach ihrem Abitur nach Israel zurück. Ilse, wie ihr Mann in der SPD engagiert, unterstützte die politische Karriere ihres Mannes, hielt sich selbst aber in der Öffentlichkeit zurück. Seit den 1980er Jahren berichtete sie als Zeitzeugin regelmäßig über ihre Erfahrungen in der NS-Zeit.


Literatur und Quellen:

Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf: Zur Erinnerung an Ilse Neuberger, Düsseldorf 2000
Röder, Werner/Herbert Strauss (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschen Emigration nach 1933. Bd. 1 (Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben), München 1980, S. 525 f.
Schmalhausen, Bernd: Josef Neuberger (1902-1977). Ein Leben für eine menschliche Justiz, Baden-Baden 2002

Autor: Joachim Schröder

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