Ilse Kassel (geb. Müller) aus Krefeld

23.02.1925 Krefeld – 07.09.2015 Krefeld

Ilse Kassel wurde als Tochter von Else und Fritz Müller geboren. Ihr Vater war katholisch und ihre Mutter jüdisch. Sie selbst besuchte eine jüdische Volksschule und lebte später vorübergehend in einem jüdischen Kinderheim in den Niederlanden. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Lore, die eine katholische Volksschule besucht hatte, wurde sie nach den NS-Gesetzen deswegen als „Geltungsjüdin“ eingestuft. Ihre Mutter lebte – im Sinne derselben Gesetze – in einer „privilegierten Mischehe “, so dass 1941 nur Ilse einen „Judenstern“ tragen musste. Sie empfand dies als ungerecht und ihr Vater beantragte eine Prüfung. Verschiedene Behörden stritten über den Fall und die Gestapo in Düsseldorf entschied 1943, dass Ilse, ihre Schwester und ihre Mutter den Judenstern zu tragen hatten. Am 17.9.1944 wurde Ilse mit anderen Familienangehörigen in Krefeld verhaftet und zum Schlachthof nach Düsseldorf gebracht. Von dort wurde sie mit ihrer Mutter in ein Arbeitslager der Organisation Todt bei Zeitz deportiert, wo sie in der Küche arbeitete. Ihre Mutter wurde später weiter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, während Ilse bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 13.4.1945 in Zeitz blieb. Danach arbeitete sie für die Amerikaner als Dolmetscherin, half im Elektrogeschäft ihres Vaters und heiratete 1956 Helmut Kassel und lebte mit ihm in Krefeld.


Literatur und Quellen:

Lore Gabelin, in: Kulturverein Schwarzer Hahn e.V.: Theresienstadt 1941-1945 - Ein Nachschlagewerk (online: http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/g/gabelinl.htm) (Aufruf 12.12.2017)
Schupetta, Ingrid: Lore Gabelin. Eine biographische Skizze aus der NS-Zeit in: Theresienstädter Studien und Dokumente 1995, Prag 1995, S. 194 ff.

Autor: Martin Heiter

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