06.05.1894
Zanow
–
05.06.1942
Łódź
Georg Gumpert kämpfte im Ersten Weltkrieg als Soldat und bekam das Eiserne Kreuz II. Klasse. Am 3.11.1921 zog Georg von Zanow nach Düsseldorf, wo er zunächst in der Grupellostraße 4 wohnte. Am 25.6.1929 heiratete er Ruth Sachs und zog mit ihr in die Grafenberger Allee 155. Hier betrieb Georg eine Heu- und Strohgroßhandlung. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Wohnung des Ehepaares demoliert. Georg wurde zudem verhaftet und musste sechs Tage im Polizeigefängnis Düsseldorf verbringen. Von dort kam er in das KZ Dachau, wo er bis zum 5.12.1938 inhaftiert war. Von Januar bis April 1939 wohnte das Ehepaar in der Freytagstraße 8, musste aber bald darauf in die Teutonenstraße 9, eine Zwangsunterkunft für Jüdinnen und Juden („Judenhaus“). Im Frühjahr 1940 versuchte Georg vergebens, seine Emigration vorzubereiten. Am 27.10.1941 wurden Georg und Ruth vom Düsseldorfer Schlachthof in das Ghetto „Litzmannstadt“ (Łódź) deportiert, wo Georg vom 2.2.1942 bis zum 1.5.1942 als Tagelöhner bei der Wirtschaftsabteilung „Hausverwaltung“ in Marysin arbeitete. Anfang Mai 1942 sollte er mit seiner Frau Ruth aus dem Ghetto „ausgesiedelt“, d.h. ermordet werden, wegen Georgs Kriegs-Auszeichnung wurden er und seine Frau vorerst zurückgestellt. Nur wenige Wochen später, am 5.6.1942, starb Georg im Ghetto "Litzmannstadt".
Literatur und Quellen:
Jakobs, Hildegard (in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos): Im Getto von Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten. Hrsg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011.
Jakobs, Hildegard: Eintrag Georg Gumpert im Gedenkbuch Düsseldorf (https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/gumpert-georg/, letzter Zugriff: 12.01.2025).
Jüdisches Museum Berlin, Sammlung Martin Gumpert
Text: Gruppe Teutonenstraße (WS 2020/21)/Friederike Aschhoff
Georg Gumpert wurde am 6.5.1894 in Zanow im preußischen Regierungsbezirk Köslin geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern auf. Seine Mutter starb, als Georg fünf Jahre alt war. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Georg als Soldat und bekam das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Am 3.11.1921 zog er von Zanow nach Düsseldorf, wo er zunächst in der Grupellostraße 4 wohnte. Am 25.6.1929 heiratete er Ruth Sachs. Das Ehepaar zog nach der Heirat in die Grafenberger Allee 155. Hier betrieb Georg auch eine Heu- und Strohgroßhandlung.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Wohnung des Ehepaares bis auf einen Stuhl und ein Sofa komplett demoliert. Zudem wurde Bargeld in Höhe von 100 Reichsmark „beschlagnahmt“. Georg wurde zudem am 10.11.1938 verhaftet und musste sechs Tage im Polizeigefängnis Düsseldorf verbringen. Anschließend kam er von dort als „Schutzhäftling“ in das Konzentrationslager Dachau, wo er unter der Häftlingsnummer 27952 bis zum 5.12.1938 inhaftiert war. Vom 6.1.1939 an lebte das Ehepaar Gumpert für drei Monate in der Freytagstraße 8. Danach mussten sie in das „Judenhaus“ auf die Teutonenstraße 9 nach Düsseldorf-Oberkassel ziehen.
Im Frühjahr 1940 versuchte Georg, die Ausreise aus Deutschland zu organisieren. Dafür überwies er am 10.4.1940 von seinem Breslauer Konto bei der Deutschen Bank 775 Reichsmark. Die Auswanderung gelang allerdings nicht. Am 27.10.1941 wurden Georg und seine Ehefrau vom Düsseldorfer Schlachthof in das Ghetto von Litzmannstadt deportiert und mussten in das Zimmer 9 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 ziehen. Vom 2.2.1942 bis zum 1.5.1942 arbeitete Georg als Tagelöhner bei der Wirtschaftsabteilung „Hausverwaltung“ in Marysin, wo er 3 Mark als Lohn bekam.
Anfang Mai 1942 sollten Georg und Ruth aus dem Ghetto „ausgesiedelt“, d.h. im nahe gelegenen Vernichtungslager Chełmno ermordet werden. Doch wegen Georgs Auszeichnung aus dem Ersten Weltkrieg wurden er und seine Frau vom XI. Transport am 14.5.1942 zurückgestellt. Nur wenige Wochen später, am 5.6.1942, verstarb Georg im Ghetto Litzmannstadt aufgrund der dort herrschenden katastrophalen Lebensbedingungen.
Text: Gruppe Teutonenstraße (WS 2020/21) / Friederike Aschhoff
Der Stammbaum wird aktuell überarbeitet und ist bald wieder verfügbar. Vielen Dank für Ihre Geduld.