Ernst Wertholz aus Düsseldorf

01.02.1907 Mainz – 23.10.1975 Düsseldorf

Gestapo Riga und Minsk, Arbeiter am Schlachthof

Wertholz war Sohn eines Polizeibeamten aus Frankfurt, der 1927 ebenfalls in den Polizeidienst eintrat. Im September 1939 wechselte Wertholz, der verheiratet war und zwei Kinder hatte, zur Gestapo Frankfurt/M. Der NSDAP gehörte er bereits seit 1937 an, 1941 bestand er die SS-Führerprüfung, am 1.3.1942 wurde er zum Polizeiinspektor befördert. Zugleich kam Wertholz zum „Osteinsatz“, zunächst zum Kommandeur der Sicherheitspolizei nach Riga und von dort im April 1942 zur gleichen Dienststelle nach Minsk. Hier war er an mehreren „Ghetto-Aktionen“ beteiligt, wie Massenerschießungen von den Tätern genannt wurden. Im Juli 1944 wurde Wertholz noch bei der Partisanenbekämpfung in Slowenien eingesetzt. Er war nur kurz in britischer Gefangenschaft in Rimini und schlug sich nach seiner Entlassung als Gelegenheitsarbeiter durch. 1956 fand er Anstellung im Düsseldorfer Schlachthof, wo er ein zuverlässiger und unauffälliger Arbeiter war. Hier wurde er auch am 11.5.1960 wegen Verdachts der Beteiligung an Kriegsverbrechen in Untersuchungshaft genommen. Im Prozess gegen den Leiter des rheinland-pfälzischen Kripochefs Georg Heuser – vormals Gestapochef von Minsk – war Wertholz Mitangeklagter vor dem Landgericht Koblenz, das Verfahren gegen ihn wurde jedoch wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt.


Literatur und Quellen:

Bundesarchiv, BDC, SSO- und RuS-Akte
Stadtarchiv Düsseldorf, 0-1-5-28346 (Personalakte)
Yad Vashem, Digital Collection, TR.10/1118 (Anklageschrift Heuser-Verfahren, 320 S.)
Limburgse Dagblad, 30.4.1963, S. 5

Justiz und NS-Verbrechen, Nr. 552, Bd. XIX (Heuser-Verfahren)
Im Schatten der Fackeln, in: Der Spiegel 42/1962 (17.10.1962)
Kornfeld, Walter: Verbrechen der Einsatzgruppen. Strafverfolgung vor österreichischen Geschworenengerichten am Beispiel des Prozesses gegen Josef Wendl, Diplomarbeit Uni Wien (2012)

Autor: Joachim Schröder

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