02.10.1864
Leichlingen
–
31.08.1954
Solingen
Emil Kronenberg studierte wie sein Vater ab 1885 Medizin und promovierte 1890. Nach seinem Wehrdienst eröffnete er eine Praxis als Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Solingen. 1899 gründete er gemeinsam mit drei weiteren Ärzten eine Klinik in Solingen, aus der das Bethesda-Krankenhaus hervor ging. Am 30.4.1896 heiratete er Adele Becker. Er regte 1910 die Schaffung einer Volkshochschule an und sorgte 1926 für die Entstehung der Solinger Stadtbibliothek. Er bekleidet städtische Ehrenämter und verfasste zahlreiche Wissenschaftliche Schriften, Märchen, Novellen und Biografische Werke. Im Ersten Weltkrieg leitete er ein Feldlazarett an der Westfront. Am 1.10.1935 wurde Emil Kronenberg als Jude seiner Krankenhaustätigkeit enthoben. Er war gezwungen, sein Haus weit unter Wert zu verkaufen, bezog eine Altersrente und zog mit seiner Frau in eine kleine Wohnung. Im Zuge der Novemberpogrome wurde ihre Wohnung überfallen und Emil Kronenberg wurde kurzzeitig verhaftet. Seine Frau Adele starb am 22.10.1943 an einem Herzinfarkt. Am 17.9.1944 wurde Emil Kronenberg von Solingen nach Wuppertal-Barmen gebracht, tags darauf vom Düsseldorfer Schlachthof über das OT-Lager Lenne und weitere Durchgangslager zum Israelitischen Krankenhaus in Berlin deportiert. Am 13.10.1944 ging es von dort weiter nach Theresienstadt. Dort wurde er Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit und konnte in seine Heimat zurückkehren. Dort engagierte sich Kronenberg politisch und gehörte zu den Begründern der FDP in Solingen. Dr. med. Emil Kronenberg starb am 31.5.1954 in Solingen.
Literatur und Quellen:
Bramann, Wilhelm: Emil Kronenberg. Solinger Arzt und Schriftsteller. Biographie und Auswahl seines literarischen Werkes, Solingen 2002
Krause, Manfred: „… daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte“, Beitrag zur Geschichte jüdischen Lebens in Solingen, Solinger Geschichtswerkstatt e. V., Solingen 2000 (S. 143-152)
Marx, Reinhard: Zur Geschichte der Familie Kronenberg. Zusammengestellt von Reinhard Marx aus Anlass der geplanten Stolpersteinverlegung in Geseke am 18. Juni 2022 (online: https://www.geseke.de/fileadmin/user_upload/Dateien_Freizeit_Tourismus/Stadtarchiv/Verschiedenes/Zur_Familie_Kronenberg_2022__Reinhard_Marx__Arbeitskreis_Juedische_Famiien_in_Geseke.pdf)
Wikipedia-Eintrag: Dr. med. Emil Kronenberg (https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Kronenberg)
Genealogy.net https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I123396&nachname=KRONENBERG&lang=de
Stadtarchiv Solingen, Nachlass Emil Kronenberg (Na 025 Dr. Emil Kronenberg)
Text: Jule Schouren
Emil Kronenberg besuchte die Volkshochschule und später die Bürgerschule in Solingen. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie Kronenberg nach Münster. Dort besuchte Emil sieben Jahre lang das örtliche Gymnasium. Mit 21 nahm Emil sein Medizinstudium in Freiburg, Bonn und München auf. Schon sein Vater Aron Kronenberg war Mediziner mit einer eigenen Praxis in Solingen. Nach seiner Promotion 1890, absolvierte er seinen Wehrdienst und arbeitete in der Praxis seines Vaters. 1892 nahm er ein Fachstudium auf und eröffnete im Juni 1894 eine Praxis als Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Solingen. 5 Jahre später gründete er gemeinsam mit den Ärzten Paul Selter (Pädiatrie), Pernhorst (Gynäkologie) und Quint (Augenheilkunde) eine Klinik in Solingen, aus der das Bethesda-Krankenhaus hervor ging. Kronenberg war Mitbegründer und später Vorsitzender des Vereins westdeutscher Hals- und Ohrenärzte.
Am 30.4.1896 heiratete er Adele Baecker, die ihm anfänglich in seiner Arzt-Praxis assistierte und mit der er nun in einer sogenannten Mischehe lebte. Neben seiner Tätigkeit als Arzt gab Kronenberg auf vielfältige Weise politische, soziale und kulturelle Impulse in Solingen: So regte er 1910 die Schaffung einer Volkshochschule an und sorgte 1926 für die Entstehung der Solinger Stadtbibliothek. Neben allen diesen Aktivitäten war Kronenberg ein produktiver Schriftsteller und Dichter. Er verfasste zahlreiche Wissenschaftliche Schriften aber auch Märchen, Novellen, Geschichten und biografische Werke.
Im Ersten Weltkrieg leitete er das Landwehr-Feldlazarett 6 an der Westfront. Nach dem Krieg übernahm er den Vorsitz der Deutschen Demokratischen Partei in Solingen. Am 1.4.1933 postierten sich Mitglieder der SA vor seinem Haus in Solingen, in dem seine Wohnung und Praxis untergebracht waren, um den staatlichen Judenboykott zu überwachen. Am 1.10.1935 wurde Emil Kronenberg als Jude seiner Krankenhaustätigkeit in der Bethesda-Klinik enthoben und er verlor seine Approbation. Er war gezwungen, sein Haus weit unter Wert zu verkaufen und bezog eine Altersrente. Das Ehepaar Kronenberg zog in eine kleine Wohnung am Stadtrand. Am 1.10.1938 wurde Kronenbergs gesamtes Vermögen gesperrt und unter Zwangsverwaltung gestellt. Im Zuge der Novemberpogrome wurden in der Wohnung der Kronenbergs Einrichtungsgegenstände, Geschirr, Porzellan und Kunstgegenstände zerschlagen. Am Tag darauf wurde Emil Kronenberg verhaftet, jedoch nach einem Tag wieder entlassen.
1942 setzte sich Kronenberg für die Interessen der jüdischen Restgemeinde in Köln gegenüber der Reichsregierung als Vertrauensmann ein. Kronenberg war ebenfalls Mitglied der Synagogengemeinde Solingen. Am 22.10.1943 starb Kronenbergs Frau Adele an einem Herzinfarkt.
Am 17.9.1944 wurde Emil Kronenberg von der Polizei aufgefordert, sich innerhalb von zwei Stunden an der Gestapo-Kaserne in Solingen einzufinden. Er wurde von dort auf einem LKW nach Wuppertal-Barmen abtransportiert. Von dort ging es weiter zum Düsseldorfer Schlachthof, wo rund 250 „Mischlinge“ und „Mischehe“-Partner*innen versammelt wurden. Am Morgen des 18.9.1944 fuhr der Transport zum OT-Lager Lenne, Kronenberg kam von dort schließlich zum Israelitischen Krankenhaus in Berlin. Dort blieb der damals schon 80-jährige Solinger Arzt nicht lange, sondern wurde weiter nach Theresienstadt gebracht, wo er am 13.10.1944 eintraf. Dort wurde er Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit und konnte am 28.6.1945 in seine Heimat zurückkehren.
1945 war Kronenberg Mitgründer der FDP in Solingen und fungierte etliche Jahre als Vorstandsmitglied des Kreisverbandes. 1951 besuchte ihn Bundespräsident Theodor Heuss in Solingen. 1948 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft der Hals-, Nasen- und Ohrenärzte verliehen. Am 1.9.1949 nahm Kronenberg als Ehrengast an der 50-Jahr-Feier des Bethesda-Krankenhauses teil.
Dr. med. Emil Kronenberg starb am 31.5.1954 in seinem 90. Lebensjahr in Solingen.
Text: Jule Schouren
Der Stammbaum wird aktuell überarbeitet und ist bald wieder verfügbar. Vielen Dank für Ihre Geduld.